Steigende Problematik von „Loverboys“

 

Einstieg in die Prostitution durch junge Mädchen in der Pubertät

Die Liberalisierung der Prostitution in Deutschland eröffnet die Möglichkeit für neue Methoden des Menschenhandels, insbesondere den Einstieg in die Prostitution von Mädchen in der Pubertät. Menschenhandel wird als das Verkaufen von Menschen, insbesondere von Frauen (in die Prostitution) definiert. Menschenhandel gehört zu den Erscheinungsformen der organisierten, global agierenden Kriminalität. 

Seit einigen Jahren weisen engagierte Frauenorganisationen und einige mutige Einzelpersonen mit Tagungen und Publikationen auf die mafiösen und menschenverachtenden Strukturen in der Prostitution hin. Auch die Medien berichteten über schockierende Verhältnisse, denen die Prostituierten ausgesetzt sind.

Am 19. April 2018 fand die Polizeiaktion, eine Groß-Razzia in 60 Bordellen, statt. Hier wurden vor allem Thailänderinnen aus den Fängen von Bordellbesitzern und Freiern befreit. Doch auch Frauen aus anderen Regionen sind betroffen.  

Ein Themenabend der ARD Ende August 2017 informierte ein breites Publikum über das Problem „Loverboys“. Als „Loverboys“ werden Männer bezeichnet, die jungen Mädchen Zuneigung vorgaukeln, sie mit teuren Geschenken überraschen und sie emotional abhängig machen. Diese Vorgehensweise wird vor allem in Deutschland und Holland beobachtet.

Mädchen aus allen Gesellschaftsschichten sind gefährdet. Oft leben die Mädchen in instabilen sozialen Verhältnissen und sind somit leicht zu beeindrucken. Das Kennenlernen passiert vor der Schule oder auch im Internet. Eltern sind mitunter hilflos, denn die Mädchen blocken ab.

Unter Vortäuschung von Zwangslagen (hohen Schulden) und massivem psychischen Druck (Androhung von Selbstmord) werden minderjährige Mädchen in die Prostitution gezwungen.

Nach § 232 STGB ist strafbar wer eine andere Person unter einundzwanzig veranlasst, die Prostitution aufzunehmen oder fortzusetzen. Trotz der Strafbarkeit nimmt die Zahl der Fälle zu und die Dunkelziffer ist hoch. In Berlin waren bulgarische Hintermänner verantwortlich.

An einer Fachtagung in Saarbrücken, veranstaltet von der Organisation Hadassah Initiative féminine, nahm für die BIZ-Fraktion Ratsfrau Gabi Hofmann teil. Die Veranstaltung wies auf das Phänomen „Loverboy“ hin. Mit diesem Thema sollten Eltern, Lehrkräfte, Sozialarbeiter_innen, Polizist_innen und Politiker_innen auf die Missstände aufmerksam gemacht werden.

Schwerpunkt dieser Veranstaltung bildete der Vortrag einer jungen Frau, die selbst in diese Falle geriet und der es nach sechs Jahren gelang, aus diesem Milieu zu entkommen. Sie hat den Schulabschluss nachgeholt und ein Studium zu begonnen.

Nach Auskunft von Solwodi sind auch aus Koblenz Fälle bekannt. Die zuständigen Behörden, z.B. das Jugendamt, konnten auf Nachfrage der BIZ-Fraktion leider keine Angabe machen. Auch hier ist eine Sensibilisierung notwendig.

 

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