Mobilität und Verkehr

BIZ plädiert für moderne Mobilität in Koblenz

– Stärkung der Koblenzer Urbanität durch leistungsfähige Verkehrsmittel im Verbund –

Koblenz ist als Großstadt das Oberzentrum im nördlichen Rheinland-Pfalz. Viele Menschen aus dem Umland arbeiten hier, kaufen hier ein oder sind auf touristischen Wegen im Großraum Koblenz un­terwegs. Das Einzugsgebiet umspannt alle Landkreise im Westerwald, Taunus, Hunsrück und in der Eifel. Zudem ist Koblenz das attraktive Eingangstor zum Unesco-Welterbe „Oberes Mittelrheintal“ und hat mit der BUGA 2011 bundesweit und auch international Furore gemacht.

Auf diesen positiven Aspekten darf sich die Stadt Koblenz nicht ausruhen. Nach wie vor setzt sich die BIZ dafür ein, dass Koblenz für die Mobilität der Menschen attraktive und überzeugende Lösungen im Wettbewerb vorweisen kann. Davon ist die Stadt aktuell jedoch noch weit entfernt.

Individualverkehr – per PKW, mit dem Fahrrad und zu Fuß

Bereits jetzt gibt es an den Wochentagen ein hohes Aufkommen an Individualverkehr – speziell per PKW – in der Koblenzer Innenstadt. Seit Fertigstellung des Zentralplatzprojekts fahren noch einige Tausend Autos mehr täglich in die Stadt. Dies spüren die Verkehrsteilnehmer alltäglich durch lange Staus und stockenden Verkehr, etwa auf dem überlasteten Friedrich-Ebert-Ring oder am Saarkreisel.

In den kommenden Jahren ist aufgrund der längst überfälligen Brückensanierungen mit weiteren weitreichenden Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Koblenz als Brückenstadt braucht zwingend die laufende Instandhaltung aller Wege und Straßen, benötigt weitere Verbindungen wie etwa die Nordumgehung und ist auf die mehrspurigen Brücken über Rhein und Mosel angewiesen. Dafür hat sich die BIZ in der Vergangenheit immer eingesetzt, trotz der angespannten Haushaltslage.

Auch künftig hat die gute Erreichbarkeit des Oberzentrums per PKW größte Bedeutung. Koblenz braucht leistungsfähige Verbindungen zum Umland. Dazu gehören neben einem leistungsfähigen ÖPNV und attraktiven Park & Ride-Angeboten – vor allem auch im Norden vor der Europabrücke und auf der rechten Rheinseite – eine wirkungsvolle Vermarktung des durchaus guten und ausreichenden Parkplatzangebotes. Koblenz muss durch gute und möglichst staufreie Erreichbarkeit aus dem Umland für Besucher und Pendler attraktiv sein und für diese Attraktivität werben, dies wegen des Wettbewerbs der Städte und Center untereinander und der Konkurrenz aus dem Internet.

Darüber hinaus setzt sich die BIZ dafür ein, separate und gut ausgeschilderte Rad-Magistralen wie z.B. von Lahnstein via Horchheim, Horchheimer Brücke, Oberwerth und Südallee bis ins Zentrum zu schaffen. Zusätzlich könnte der Individualverkehr durch intelligente, kostengünstige Angebote wie Park & Ride und durch konkreten Anspruch auf Radtransport per Bus – z.B. in die Höhenstadtteile – städteplanerisch besser gelenkt werden als das bis heute der Fall ist.

Zusätzlich gilt es, auch die Wege für Fußgänger in den Stadtteilen, von den Stadtteilen in die Innenstadt sowie im Zentrum selbst angenehmer zu gestalten. Die BIZ wird sich auch weiterhin für die Ausweisung von Spielstraßen in den Wohnbereichen und zusätzliche Fußgängerampeln im Zentrum und den Stadtteilen einsetzen. Auch die Generation 60+ würde davon sehr profitieren.

Für alle genannten Aspekte benötigen wir einen übergeordneten Koblenzer Masterplan, der die Koordination und Kooperation aller Verkehrsarten verbessert.

Öffentlicher Personennahverkehr incl. Schiffsverkehr (ÖPNV)

Es muss der Anspruch einer Großstadt wie Koblenz als urbanem Zentrum der Region sein, innerhalb seiner Stadtgrenzen einen attraktiven öffentlichen Personennahverkehr anzubieten. Attraktivität im urbanen ÖPNV bedeutet für die Menschen:

  • Gute Verknüpfung und Taktung von Bus, Bahn, Fähren, Seilbahn und Schrägaufzug;
  • Schaffung von attraktiven Knotenpunkten (sog. intermodale Verknüpfungsbereiche verschiedener Verkehrsarten) mit Park & Ride zur optimalen Verbindung von PKW und ÖPNV z. B. an den Bahnhöfen in der Peripherie und der Stadt Koblenz;
  • Aktualisierung und Modernisierung der Bezahl- und Kontrollsysteme im ÖPNV, vordringlich zur Steigerung des Komforts für die Fahrgäste und zur schnelleren Abwicklung in Hauptverkehrszeiten;
  • Abschaffung der einzigen Einstiegsmöglichkeit an der vorderen Bustür;
  • Einführung eines dynamischen Fahrgastsystems;
  • zusätzliche über die 30-min-Taktung hinausgehende und besser koordinierte Busverbindungen tagsüber von den Stadtteilen und den Hochschulen in die Innenstadt – auch an Samstagen;
  • Erweiterung des ÖPNV-Angebots an Abend-Verbindungen und an Nachtbussen;
  • Überarbeitung des Koblenzer Wabensystems zur Beseitigung von überteuerten Kurz-Verbindungen.

Hier drei typische aktuelle Beispiele für Einzelfahrscheine im Koblenzer Wabensystem:

Start

Ziel

Entfernung

Fahrschein

Hilda-Gymnasium Schwimmbad Oberwerth

1,7 km

2,90 €

Kapuzinerplatz Ehrenbreitstein Rhein-Mosel-Halle

1,5 km

2,90 €

Hauptstraße in Wolken Zentralplatz

13,8 km (!)

auch 2,90 €

Niemand – schon garnicht die BIZ – möchte den Wolkenern die kostengünstige ÖPNV-Verbindung nehmen. Aber dass Ultrakurzstrecken, die eine „Wabengrenze“ überschreiten, in Koblenz unverhältnismäßig teuer sind, sollte im Rahmen des anzustrebenden Masterplans „Mobilität“ überdacht werden.

Ein attraktiver ÖPNV nützt allen Bürgerinnen und Bürgern in den Stadtteilen, aber auch Pendlern und Besuchern aus dem Umland. Urbanität wird zunehmend auch als Möglichkeit, ohne eigenes Auto zu leben, verstanden, weil Urbanität mit einer attraktiven und leistungsfähigen Infrastruktur verknüpft ist. Gerade in Städten können im Vergleich zum ländlichen Raum durch kurze (autofreie) Wege alle Ziele zur Bedarfsdeckung des täglichen Lebens leicht, sicher und schnell erreicht werden. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der künftig steigenden Mobilitätskosten. Schon heute findet vie­lerorts gerade wegen dieser Infrastruktur ein Zuzug aus dem ländlichen Raum in die Städte statt.

Handlungsbedarf: Übergeordnetes Verkehrskonzept als Koblenzer Masterplan

Derzeit besteht leider kein zusammenhängendes, die einzelnen Stadtbereiche und das Umland ein­beziehendes Verkehrskonzept. Hier besteht dringender Handlungsbedarf. Zugleich sind insbesondere Aspekte der Luftverschmutzung und Lärmbelästigung sowie der Verkehrssicherheit bei einer grund­legenden und längst überfälligen Verkehrskonzeption zu berücksichtigen. So fordert die BIZ z.B. den Vorrang von Fußgängern und Radfahrern vor dem Autoverkehr sowie die Ausweitung von Tempo 30-Gebieten in allen verdichteten Wohnbereichen.

Um die große Herausforderung einer wirkungsvollen und zukunftsorientierten Verkehrskonzeption auch angemessen politisch bewältigen zu können, fordert die BIZ ein eigenständiges Verkehrsdezernat im Stadtvorstand. Ein solches Verkehrsdezernat führt nach Vorstellung der BIZ nicht zu einem zusätzlichen Posten im Stadtvorstand. Vielmehr wird die BIZ sich dafür einsetzen, die Ressorts im Stadtvorstand grundsätzlich neu zu ordnen und dem Bereich der urbanen Mobilität die ihm zukommende größere Bedeutung zu geben.

 

Lesen Sie außerdem die Anfrage der Koblenzer Lokale Agenda 21-Arbeitsgruppe Verkehr zu verkehrspolitischen Fragen und die Stellungnahme der BIZ (klicken Sie bitte hier)