Immer noch keine Lösung für naturwissenschaftliche Räume

BIZ-Fraktion will schnelle Sanierung erreichen

BIZ-Ratsfrau Angela Keul-Göbel

BIZ-Ratsfrau Angela Keul-Göbel

Koblenz. Wie dem 1. Finanzzwischenbericht 2013 der Verwaltung zu entnehmen ist, wurde noch immer keine Lösung für die Sanierung der naturwissenschaftlichen Räume in den Gymnasien und der Realschule auf der Karthause erarbeitet. Die schleppende Renovierung der Naturwissenschaftlichen Räume (NAWIS) in den Koblenzer Gymnasien war bereits Kritikpunkt in der Haushaltsrede der BIZ im Dezember 2012. Bis heute hat sich nichts getan, obwohl im Haushalt 2013 mehr als 600.000 Euro hierfür eingestellt sind. Nun hat die BIZ-Fraktion für die nächste Sitzung des Schulträgerausschusses einen Antrag gestellt: „Die Verwaltung soll darlegen, wann endlich mit der Umplanung begonnen wird. Unser Ziel ist es, dass noch 2013 mit den Arbeiten begonnen wird, damit die Räume 2014 fertig gestellt werden können“, erläutert BIZ-Ratsfrau Angela Keul-Göbel.

Denn die Situation ist seit langem prekär: Seit Dezember 2006 sind die Leitungen zur Gasversorgung an den Schüler- und Lehrertischen im Biologieraum des Görres-Gymnasiums aus Sicherheitsgründen stillgelegt. Aufgrund des Druckgasverlustes und der Überschreitung des Leckagewertes musste die Anlage unverzüglich außer Betrieb gesetzt werden. In der Schule wurde dann provisorisch auf „Campingbunzenbrenner“ umgestellt, um den naturwissenschaftlichen Unterricht im Fachbereich Chemie ansatzweise entsprechend dem Stoffgliederungsplan durchführen zu können.

Dabei sieht das Rahmenprogramm für ein 3-zügiges Gymnasium ein Soll von sieben naturwissenschaftlichen Unterrichtsräumen vor. Zurzeit hält Koblenz hier nur sechs Räume vor, die teilweise nur eingeschränkt nutzbar sind.

Im Hilda-Gymnasium kann die ordnungsgemäße Lagerung der Gefahrenstoffe aufgrund der derzeitigen Raumsituation nicht gewährleistet werden. In mehreren naturwissenschaftlichen Unterrichtsräumen ist die völlig veraltete, aufsteigende Bestuhlung defekt. An den gesplitterten Sitzflächen und den scharfkantigen Metallverstrebungen besteht für die Schülerinnen und Schüler Verletzungsgefahr.

Die Unfallkasse hat die Stadt bereits aufgefordert, die defekte Bestuhlung instand zu setzen. Da keine Ersatzteile am Markt erhältlich sind ist dies bis heute unterblieben.

Die erheblichen Einschränkungen und die Außerbetriebnahme von Versorgungsleitungen lassen nur einen unbefriedigenden Unterricht zu. Dieser weicht von den geltenden Anforderungen des vom Land Rheinland-Pfalz vorgegebenen Stoffgliederungsplanes erheblich ab, z.B. bei Schülerexperimenten. Nur durch eine Neuausrichtung der NAWIS hin zu multifunktional nutzbaren Räumen für die wichtigen Fachbereiche Physik, Chemie und Biologie kann ein zeitgemäßer, den Anforderungen gerechter Unterricht sichergestellt werden.

Im Max-von-Laue-Gymnasium wurde ein naturwissenschaftlicher Raum mittlerweile fertig gestellt, mit erheblicher finanzieller Unterstützung der Eltern. Doch das Gymnasium ist vierzügig und verfügt nur über sechs NAWIS. Nach dem Rahmenraumprogramm soll ein solches Gymnasium acht NAWIS anbieten,  es fehlen also zwei Räume. Fünf der vorhandenen NAWIS sind weitgehend veraltet und entsprechen nicht den Anforderungen an eine moderne Unterrichtsgestaltung. Deshalb wurde für einen weiteren Raum ein Förderantrag gestellt. Der zum Baubeginn erforderliche Förderbescheid liegt noch nicht vor.

Auch die Realschulen Clemens-Brentano und auf der Karthause warten noch. Die Chemieräume der Clemens-Brentano-/Overberg Realschule plus, Standort Weissergasse 6, wurden im Jahre 1959 errichtet. Seitdem hat keine Sanierung oder Modernisierung der Räume und Einrichtungsgegenstände stattgefunden. Das aufsteigende Gestühl der Räume ist daher enorm abgängig. Zum Teil fehlen Klappstühle. Es besteht eine Verletzungsgefahr für die Nutzer. Der Boden weist zahlreiche gefährliche Stolperstellen auf. Für die Durchführung des Chemieunterrichts mit 30 Schülerinnen und Schülern müssen Einzelstühle zugestellt werden. Die Schülerwaschbecken funktionieren nicht und die Schülerexperimentiertische weisen keine feuerfeste Oberfläche auf, wie es von den derzeit geltenden Sicherheitsbestimmungen gefordert wird.

Ob die Gasleitungen funktionsfähig sind ist fraglich. Nun soll mindestens ein multifunktionaler Unterrichtsraum errichtet werden. Auf die Dringlichkeit hat die Koblenzer Wohnbau zuletzt im Jahr 2011 hingewiesen. Doch nichts geschieht!

Auch die NAWIS der Realschule Karthause sind 40 Jahre alt. Der Zustand der Räume entspricht nicht den Anforderungen eines modernen Raumprogramms. Die zur Durchführung verschiedener Schülerexperimente und Mikroskoparbeiten notwendige Gas- und Wasserversorgung sowie die Elektroinstallation sind defekt und können nicht durch einfache Maßnahmen repariert werden. Die Gas- und Stromzufuhr wurde aus Gründen der akuten Unfallgefahr vor mehreren Jahren von der EVM abgeklemmt und bis heute nicht mehr in Betrieb genommen.

„Es ist unglaublich, dass die Verwaltung die absolut notwendigen und dringenden Planungen schleifen lässt, ja sogar untätig bleibt. Es reicht nicht, dass die Stadtbibliothek nun in schönen Räumen untergebracht ist. In den Schulen herrscht dringender Handlungsbedarf, “ beschreibt Angela Keul-Göbel die Lage. „Uns ist es wichtig, dass die Planungen endlich begonnen werden, damit die NAWIS 2014 für den Unterricht qualitativ hochwertig zur Verfügung stehen“, ergänzt der BIZ-Fraktionsvorsitzende Stephan Wefelscheid.

Insgesamt stehen für NAWIS an Gymnasien 610.000,- Euro zur Verfügung, dies sowohl seit dem Haushaltsjahr 2012 als auch 2013. Die Verwaltung hat bereits bei der Aufstellung des Nachtragshaushalts 2012 darauf hingewiesen, dass sie die Maßnahmen überplanen will. Doch bis heute ist nichts geschehen. Die Verwaltung begründet dies mit zahlreichen anderweitigen Maßnahmen im Rahmen des Masterplans Schulen. „Das kann ich nicht nachvollziehen“, erklärt BIZ-Ratsfrau Angela Keul-Göbel. Die Vermittlung von Kenntnissen in Physik, Chemie und Biologie ist außerordentlich wichtig. Seit Jahren besteht hier erhöhter Handlungsbedarf. Doch nichts geschieht, obwohl der Stadtrat das Geld zur Verfügung stellt.“

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